Lachen "aus vollem Herzen"
Theater: Projektgruppe spielART feiert im Ladenburger Domhof erfolgreich Premiere mit der Krimikomödie "Funny Money"
von Peter Jaschke, Mannheimer Morgen 18.3.2025
Ladenburg. Die Freude wird ihnen zwischenzeitlich vergehen, doch anfangs haben Henry und Jean Perkins noch gut lachen. Es ist aber auch zu komisch, wie der durch und durch englische Detective Sergeant Slater durch diesen skurrilen Fall stolpert, Die Figur des einfältigen Ermittlers ist eine größere Nebenrolle in "Funny Money" und wird von Arne Zastrow umwerfend verkörpert.
Wie überhaupt alle Darsteller glänzen in der hinreißenden Krimikomödie des britischen Erfolgsautors Ray Cooney, Allen voran Anette Wieling als Jean und Dragan Maksimovic als Henry in den Hauptparts bei dieser Inszenierung der Ladenburger Projektgruppe spielART.
Lob von allen Seiten und minutenlanger Schlussapplaus
Viele Lacher, Lob von allen Seiten schon in der Pause und minutenlanger Schlussapplaus sind bei der Premiere am Donnerstagabend im nahezu ausverkauften Domhofsaal der Lohn für eine Meisterleistung des Ensembles.
Regisseurin Podhorny hat Grund zur Freude, Ihre Bilanz fällt so aus: " Das Ensemble hat wunderbar zusammengehalten und ist als Team auf die Bühne gekommen." Eingangs tritt sie vors Publikum, um abwechselnd zusammen mit Carlo, dem wohl jüngsten Besucher an diesem Abend, festzustellen: "Wir haben lange geprobt und sind glücklich, dass es jetzt endlich losgeht." Einige weitere Vorstellungen liegen noch vor der in anderer Besetzung preisgekrönten Gruppe.
Das Publikum darf sich an den Vorstellungsabenden auf ein turbulentes Geschehen voller Wortwitz und Situationskomik auf der Bühne freuen. In "Funny Money" treibt es die tragikomischen Protagonisten von einer Notlüge zur nächsten. Das sorgt immer wieder für Erheiterung im Publikum.
Anfangs träumt Henry vom großen Glück, als er irrtümlich in den Besitz eines Aktenkoffers voller Geld gerät und sich schon als reicher Mann wähnt. Freilich will er weg, bevor ihn der wahre Besitzer des Koffers, ein Gangster namens Mr. Big, ausfindig macht. Doch hat Henry die Rechnung ohne seine brave Jean gemacht, Die erkennt ihren Mann gar nicht wieder und muss sich mithilfe unzähliger Drinks beruhigen, obwohl sie keinen Alkohol verträgt.
Köstlich und gekonnt wie Anette Wieling diese Rolle ausfüllt. Wie sie hat auch Maksimovic schon bei der Theaterinitiative Ladenburg (TiL) einiges an Bühnenluft geschnuppert. Regisseurin Birgit Podhorny kennt beide als spielfreudige und begabte Darsteller, denn immerhin hatte sie mit ihnen ab 2002 fünf Jahre lang gemeinsam auf der TiL-Bühne gestanden. Wieling tritt nun zum ersten Mal bei spielART auf. Podhorny hatte sie zuvor zufällig im Theater im Karlstorbahnhof in Heidelberg als Darstellerin in einem absurden Stück mit der Gruppe "Die Außenspiegel" gesehen.
"Sie ist in der Lage, komische Rollen gut rüberzubringen", sagt Podhorny. Zastrow, der so grandios den begriffsstutzigen Ermittler gibt, hatte dagegen zuvor lediglich als Student in einer Amateurgruppe gespielt und später bei der TiL in dem Stück "So eine Liebe" mitgewirkt. Einen gelungenen Einstand erleben Helmut Runschke (bestechlicher Polizist), Claudia Bloch (Betty Johnson) und Niklas Heim (Fußgänger) als Debütanten.
Letzterer steht nicht auf dem Programmzettel und mimt den geheimnisvollen Mr. Big. Der Goldschmied von der "Goldschmiede am Wasserturm" in Mannheim war nach vergeblichen Bemühungen, die Minirolle zu besetzen, in die Bresche gesprungen und (Anm. Birgit Podhorny) hat nicht nur diese Rolle gespielt, sondern mit seinem privaten Team tatkräftig beim Aufbau der Zuschauertribüne im Domhofsaal mit angepackt. Klaus Grelle (Vic Johnson) und Axel Bedbur (Taxifahrer Bill) kennen viele unter anderem aus "Kunst", der vorherigen Inszenierung von spielART. Auch sie sorgen im Laufe des Abends im Wohnzimmer des Ehepaars Perkins für Lacher bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. Die wirken alle begeistert. "Ich schmeiß mich weg vor Lachen", sagt einer auf dem Weg zum Pausengetränk.
Die Tribüne im Domhofsaal macht das Beste daraus
Als "sehr unterhaltsam" bezeichnet Monika aus Mannheim das Stück, Was ihr "besonders gefällt, sind die schönen Überraschungsmomente". Andrea aus Ladenburg findet die Aufführung total klasse, weil es sehr kurzweilig und unterhaltsam ist. Es sei toll, die ihr teils bekannten Schauspieler "dabei zu beobachten, wie sie sich auf der Bühne verwandeln".
Für die in Ladenburg lebende Regisseurin Barbara Wachendorff (Festival unterm Himmelszelt) ist es "in diesen schlimmen Zeiten sehr entlastend, einmal aus vollem Herzen zu lachen". Das tue einfach gut. "Die Darsteller schmeißen sich richtig rein", lobt die Künstlerin leidenschaftlichen Einsatz. Auch sie hebt Wielings Leistung hervor. "Betrunkene zu spielen ist schwer". Schade sei, dass es in Ladenburg "keinen richtigen Theaterraum " gebe, doch mache die aufwendig errichtete Tribüne im Domhofsaal das Beste aus der Situation.
Applaus für das Ensemble um Regisseurin Birgit Podhorny (3.v.li.) nach einer starken Vorstellung
vlnr:
Niklas Heim (Fußgänger)
Helmut Runschke (Davenport)
Birgit Podhorny (Regie)
Claudia Bloch (Betty)
Anette Wieling (Jean)
Dragan Maksimovic (Henry)
Foto: Silke Beckmann
Die Absurdität kennt hier kaum Grenzen
spielART-Inszenierung "Funny Money" sorgte für Lachtränen - Riesenapplaus für Akteure und Regisseurin Birgit Podhorny - weitere Vorstellungen am Wochenende
Artikel in der Ladenburger Zeitung vom 21. März 2025 von Silke Beckmann
"Zwei Tickets - egal, wohin", ordert der aufgekratzte Anzugträger telefonisch. Seine Frau steht fassungslos daneben: Verreisen - jetzt? Nach Barcelona, und das womöglich für immer? Für Jean kommt eine derartige Abweichung vom Lebensplan nicht infrage, heute schon gar nicht. Schließlich hat Henry Geburtstag, im Ofen gart ein Brathähnchen, und jeden Moment werden Freunde erwartet. Was sie nicht ahnt: Ihr Ehemann hat das vermeintliche große Los gezogen, ist durch eine Aktenkoffer-Verwechslung unverhofft zu einem "verdammten Vermögen" gekommen und nun dabei, alles stehen und liegen zu lassen und nach dreißig Jahren Büroalltag umgehend aus der Tretmühle auszubrechen.
Mit dieser Szene startet "Funny Money", jene Komödie Ray Cooneys, mit der das bestens aufgelegte Theaterensemble spielART seinen Gästen im Domhofsaal ein wirklich köstliches Vergnügen bereitet. Von den Rängen aus blicken sie auf das etwas altbacken eingerichtete Wohnzimmer des Ehepaares Perkins (Dragan Maksimovic und Anette Wieling), in dem es ziemlich turbulent zugeht, und das durchgehend. Denn im Laufe des Abends treffen nicht nur die Geburtstagsgäste Betty (Claudia Bloch) und Vic Johnson (Klaus Grelle) ein, auch zwei Sergeants (Arne Zastrow und Helmut Runschke) geben sich aus ganz unterschiedlichen Gründen die Klinke in die Hand. Nicht zu vergessen der unheimliche "Mister Oktokoff" (Niklas Heim), und zwischendurch läutet immer wieder Taxifahrer Bill (Axel Bedbur): Wann soll es denn nun losgehen Richtung Flughafen? Dass die Besetzung der Reisefreudigen sich hin und wieder ändert, nimmt er erstaunlich gelassen.
"Die Sonne des Schicksals scheint heute auf uns hernieder", hatte Henry seiner Angetrauten anfangs blumig eröffnet, aber die exakt 735.000 Pfund - mehrfach auf der Toilette im "Prince of Wales" nachgezählt und anschließend jeweils mit einem Whisky begossen - erweisen sich als Startkapital für ungeahnte Entwicklungen, denen Henry mal kreativ, mal mit Bestechungsgeldern zu begegnen versucht. "Als kleiner Langweiler hast du mir besser gefallen", bemerkt Jean spitz, die aber dank reichlichem Alkohol-Zuspruch ohnehin bald nicht mehr folgen kann.
Es gibt viel zu lachen, etwa wenn Henry sich in verblüffenden, an Absurdität kaum zu überbietenden Notlügen verstrickt, die hanebüchene Folgen für andere nach sich ziehen. Sodass vorübergehend familiäre Bande mit der Staatsgewalt geknüpft werden, ein freundlicher Polizist regelrecht ausflippt, Betty die Party ihres Lebens feiert und Vic nicht nur einen neuen Namen, sondern auch seine angebliche Schwerhörigkeit verdauen muss.
Klasse, wie gut die Akteure aufeinander eingespielt sind, einander die Bälle punktgenau passen und die Pointen exakt so landen wie sie sollen. Bewundernswert, mit welcher Überzeugung und scheinbaren Lässigkeit Dragan Maksimovic diese wahrlich textlastige Rolle meistert. Zudem ist es ein Riesenspaß, Anette Wielings gekonnt umgesetzte Demontage von Drink zu Drink zu erleben, sozusagen von leicht angeschickert bis komplett verstrahlt. "Die spielen klasse", fand Zuschauerin Sibylle Heinzel, und auch Ursel Abbate äußerte sich in der Pause rundum positiv: "Ich hab ein bisschen Tränen in den Augen!" Es sei nicht immer einfach, den Humor englischer Autoren rüberzubringen, "aber die machen das toll".
Die jüngste und mittlerweile achte Inszenierung von Regisseurin und spielART-Leiterin Birgit Podhorny kam bestens an und wurde mit begeistertem Applaus für alle Spieler und Mitwirkenden belohnt. Und es gibt noch einige Gelegenheiten für Lachtränen-reiche Abende.
Weitere "Funny Money"-Vorstellungen finden am Freitag, 21. März (20 Uhr), Samstag, 22. März (20 Uhr) und am Sonntag, 23. März (18 Uhr) jeweils im Domhof statt.
Vic hatte sich die Party anders vorgestellt, der Sergeant wundert sich
vlnr.:
Dragan Maksimovic (Henry Perkins)
Helmut Ruschke (Detective Sergeant Davenport)
Klaus Grelle (Vic Johnson)
Foto: Silke Beckmann
"Darf ich Sie ein wenig erleichtern, Sir?"
"Ich möchte nicht erleichtert werden!!"
Selbst der freundliche Sergeant Slater fährt aus der Haut und gerät mit Henry aneinander...
vlnr.:
Arne Zastrow (Detective Sergeant Slater)
Klaus Grelle (Vic Johnson)
Dragan Maksimovic (Henry Perkins)
Foto: Silke Beckmann
"Ich habe noch eine Schwester, deren Ehe auch kaputt ist"...
Taxifahrer Bill (Axel Bedbur) und Henry Perkins (Dragan Maksimovic)
Foto: Silke Beckmann
Dragan Maksimovic und Anette Wieling als Ehepaar Perkins
Foto: Silke Beckmann
Foto Jens Weckbach
MM, 9.1.2025, von Peter Jaschke
"Wir freuen uns immer aufs Proben"
Gespräch mit Regisseurin Birgit Podhorny über die kommende Inszenierung ihrer Projektgruppe spielART ab dem 13. März im Ladenburger Domhofsaal
Ihre insgesamt 18. Premiere als Regisseurin und zuvor als Amateurschauspielerin erlebt bald Birgit Podhorny aus Ladenburg. Bereits seit Herbst 2023 laufen in den Räumen der Johannesdiakonie im Neubaugebiet Nordstadt-Kurzgewann die Proben für "Funny Money", eine Komödie aus der Feder des britischen Erfolgsautors Ray Cooney. "Der kreative Prozess ist so spannend", sagt die Theaterpädagogin, die von Haus aus Juristin ist. Nach dem Tod ihrer Mutter und der langjährigen Pflege des Vaters entflieht sie dem ihr eintönig erscheinenden Job, indem sie Theaterpädagogik studiert. 2008 begründet sie die Projektgruppe spielART mit.
In einer Heidelberger Bibliothek stößt sie auf das Stück
"Am meisten begeistert mich zu sehen, wie aus holprigen Anfängen bei den Proben plötzlich kleine Szenenschmuckstücke werden und wie Anfänger auf der Bühne auf einmal vollkommen in ihren Rollen aufgehen", beschreibt Podhorny, was sie immer wieder aufs Neue motiviert. "Funny Money" ist das achte Stück, das sie mit spielART inszeniert. Dazu gehören "King Kongs Töchter" (Theresia Walser), "Top Dogs" (Urs Widmer), "Elling" (Axel Hellstenius), "Toc Toc" (Laurent Baffie), "Der Gott des Gemetzels" (Yasmina Reza), "Mr. Pilks Irrenhaus" (Ken Campbell) und zuletzt "Kunst" (Yasmina Reza). Zwischen zwei spielART-Inszenierungen war Podhorny Spielleiterin beim Prinz-Carl-Ensemble Neckargemünd. Dort inszenierte sie "Diebe" (Dea Loher) und "ENGEL - die Verletzung, die Gedanken, das Herz" (Anja Hilling). Als Darstellerin hatte sie an sieben abendfüllenden Aufführungen der Theaterinitiative Ladenburg (TiL) und des Theaters ImPuls Mannheim mitgewirkt. Unterm Strich macht das bislang 17 Premieren.
"Auch das Zwischenmenschliche und die sozialen Kontakte, die bei Proben entstehen, machen den Reiz aus", findet Podhorny. Als sie vorübergehend in der Bibliothek der Theater- und Spielberatung Baden Württemberg in Heidelberg arbeitet, stößt sie auf das 1994 uraufgeführte Meisterwerk des Unterhaltungstheaters von Cooney. Dieser Autor ist berühmt für zeitlos witzige Geschichten mit turbulenten Handlungen und treffsicheren Pointen. Weil die gegenwärtigen Zeiten "so anstrengend" sind, will Podhorny diesmal ein leichtes Stück anbieten. "Funny Money" hat mich schon damals sehr erheitert und enthält dankbare Rollen für die Darsteller", erinnert sie sich und fügt hinzu: "Man sollte in der gegenwärtigen politischen Situation versuchen, die Menschen zum Lachen zu bringen". Das Ensemble empfinde das ebenso: "Wir freuen uns jede Woche auf die Proben."
Erstmals wirkt Anette Wieling bei spielART mit. Die frühere TiL-Kollegin hatte Podhorny im Theater im Karlstorbahnhof Heidelberg in einem absurden Stück der Gruppe "Die Außenspiegel" spielen sehen. Und war begeistert. "Sie ist in der Lage, komische Rollen gut rüberzubringen, und ich kenne einige, die sich echt darauf freuen, La Wieling wieder in Ladenburg auf der Bühne zu sehen", so Podhorny.
Als ebenso spielfreudigen und begabten Amateurmimen hat sie den gleichfalls aus dem TiL-Team bekannten Dragan Maksimovic für die männliche Hauptrolle gewonnen. Seit Anfang der 2000er Jahre kennt sie Axel Bedbur, den sie erstmals als Richter in "Hexenjagd" von Arthur Miller in einer Inszenierung der Gruppe "Theater Gutmacher" von Matthias Paul im Theater im Karlstorbahnhof (TiK) in Heidelberg gesehen hat. Bedbur hatte - ebenso wie Ladenburgs Klaus Grelle - als weiterer Akteur grandios bei der jüngsten spielART-Inszenierung "Kunst" im Kettenheimer-Hof-Keller mitgewirkt. Diesmal treten zudem Claudia Bloch aus Feudenheim, Helmut Runschke aus Bad Dürkheim, Arne Zastrow aus Ladenburg und Niklas Heim aus Mannheim auf.
Insgesamt stehen bei "Funny Money" acht Darstellende auf der Bühne im Domhofsaal. Dort sollen die ersten sieben spielART-Aufführungen stattfinden.
